Three cyclist on Mont Ventoux

Mont Ventoux für Radsport-Verrückte

19. September 2019, majestätisch liegt der Mont Ventoux mit einer Höhe von 1909 HM vor uns. Es ist sieben Uhr morgens und im September noch dunkel und wir haben uns bereits vor unserer Rennradreise nach Frankreich für den «Club des Cinglés du Mont Ventoux» registriert. Unser heutiges Vorhaben: den Mont Ventoux mit dem Rennrad dreimal aus allen Richtungen zu befahren. 137 km und 4400 HM werden wir an diesem Tag zurücklegen. Aber warum?

Mont Ventoux – Gigant der Provence

Mit einer Höhe von 1909 m erhebt er sich einsam um majestätisch aus dem eher hügeligen Umland der Provence. An schönen Tagen sieht man Richtung Norden die Alpen und im Süden das Mittelmeer. Windiger Berg, so lässt sich der Name auch übersetzen und an manchen Tagen herrschen starke Winde, die die Befahrung sogar unmöglich machen können. Hinweistafeln zu Beginn jeder Auffahrt zeigen an, ob der Gipfel heute befahrbar oder geschlossen ist. Während der untere Teil des Mont Ventoux dicht bewachsen ist, machen Hitze und Wind aufgrund der fehlenden Vegetation im oberen Teil den Radsportlern zu schaffen. So lieblich und schön die Provence zum Rennradfahren ist, die Befahrung des Mont Ventoux mit dem Rennrad sollte auf dem Plan stehen. Die Aussicht ist gigantisch, der Weg nach oben sehr vielfältig und aufgrund von oft hohen Temperaturen und starken Winden nicht gerade ein Kinderspiel.

Schicksals- und Sehnsuchtsberg

Der Mont Ventoux gehört neben dem Col du Galibier, dem Col du Tourmalet und Alp d’Huez zu einem der Tour de France Klassiker. Seine Anziehungskraft ist für viele Radsportbegeisterte sehr gross und so kommt es, dass Radsportfans aller Herren Länder sich auf den Gipfel begeben, allen voran unsere belgischen und niederländischen Nachbarn. 1967 radelte sich hier Tom Simpson zu Tode, ein Denkmal erinnert an ihn. Der Mont Ventoux zieht mehr oder weniger fitte Radfahrer an, das Erlebnis soll auch möglichst auf Kameras festgehalten werden und so tummeln sich auf den letzten Kilometern allerhand Sportfotografen, die die mühsame Auffahrt in tollen Bildern festhalten. Am Gipfel ist dann ein wahres Rennrad-Volksfest, bei dem sich verschwitzte und erschöpfte Radfahrer in die Arme fallen oder einfach lässig einklatschen. Ein Erlebnis, bei dem man dabei gewesen sein sollte.

Drei Wege führen auf den Mont Ventoux

Auf den Mont Ventoux gibt es drei Auffahrten, alle zwischen 20 und 25 km lang; dabei legt man je nachdem zwischen 1300 und 1500 HM zurück. Die wohl bekanntestes und beliebteste ist die Auffahrt von Bédoin. Vormittags herrscht auf der Auffahrt reges Treiben, für viele ist die eine Auffahrt schon ein Kraftakt, aber sie scheint zum Radsporturlaub in der Provence als Königsetappe dazuzugehören. Der zweite Talort ist Malaucène, auch hier ist die Anfahrt lang, im oberen Teil mit gut 9% teilweise etwas steiler, aber der Ausblick Richtung Norden auf die Alpen ist gerade morgen wunderschön. Wesentlich sanfter, aber auch länger ist die Auffahrt von Sault mit geringer Steigung geht es durch schattige Wälder, bis am Ende die letzten km über die karge Schotterwüste führen. Fest steht: jede Auffahrt ist einzigartig und in ihrem Charakter sehr unterschiedlich, so wird es auf keinen Fall langweilig.

Stempeln statt Strava

Wer radsport verrückt ist, und noch dazu fit, der sollte sich für den Club de Cinglés du Mont Ventoux bereits vor der Reise anmelden. Warum? Dreimal befahren und den Track auf Strava veröffentlichen kann „fast“ jeder, dafür gibt es sicher auch viele Kudos, aber mit Stempelkarte und Startnummer auf dem windigen Berg in der Provence unterwegs zu sein, verspricht nicht nur staunende Blicke und Bewunderung, sondern macht das Ganze auch zu einem tollen Event. Nahezu jeder Shop und jedes Café in den drei Talorten Bédoin, Malaucène und Sault hat einen Stempel, zwischen den einzelnen Auffahrten empfiehlt sich jeweils eine kurze Pause, für die man dann auch einen Stempel bekommt. Die Stempelkarte wird als Nachweis eingeschickt, dafür erhält man eine Medaille.   

Es ist offiziell: Wir sind verrückt

So viel Respekt wir an diesem Septembermorgen hatten, so toll war das gemeinschaftliche Erlebnis am Ende. So haben wir alle die Aufnahme in den Club des Cinglés du Mont Ventoux geschafft. Unser Fazit: unbedingt machen, ein Erlebnis, dass man nicht vergisst.

Copyright: S. Moser, B. Reepschlaeger

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