Blumenwiese auf dem Weg zum Gigerwaldsee

Rennradtour nach St. Martin im Calfeisental

Reise in eine andere Welt oder eine Ode an die Sackgasse

Die Tour in Zahlen
Kilometer
49 km
Höhenmeter
1400 HM
Start der Tour
Bad Ragaz

Es gibt Radfahrer, die fahren immer ein Runde. Den gleichen Weg zurückzufahren, wie man gekommen ist, scheint für sie unmöglich. Wieder andere behaupten, dass ein Pass nur dann befahren ist, wenn er von beiden Richtungen überquert wurde. Auch eine Theorie. Für mich habe ich Sackgassen entdeckt. Denn gerade Bergstraßen, die irgendwann enden, offenbaren ganz wunderbare Überraschungen, denn oben wartet oft ein Stausee oder ein wunderschönes Bergdorf. Eine dieser Sackgassen, die sich richtig lohnt und auf der sogar Bergdorf und Stausee auf dich warten, ist eine Rennradtour nach St. Martin im Calfeisental.

Von Bad Ragaz ins Taminatal

Das erste Highlight der Rennradtour nach St. Martin im Calfeisental lässt nicht lange auf sich warten: in wenigen Kilometern ist man vom Weltkurort Bad Ragaz hoch hin das Taminatal gefahren. Hier öffnet sich der weite Blick auf die gleichnamige Taminabrücke. Sie verbindet die beiden Orte Pfäffers und Valens. Die Brücke über das schöne Tal ist gigantisch. Mit einer Länge von 475 Metern und einer Spannweite von 260 Metern ist die Taminabrücke die grösste Bogenbrücke der Schweiz und sogar eine der grössten ihrer Art in Europa. Die Brücke ist noch recht «jung» und ist seit 2017 nach gut fünfjähriger Bauzeit befahrbar. Das Schöne an der Fahrt ins Taminatal: Man kann quasi auf beiden Seiten des Tales fahren und erhält dadurch immer wieder unterschiedliche Blicke auf die Brücke. Gerade morgens lohnt es sich, den westlichen Teil des Tales zu befahren, da hier bereits die Sonne scheint.

Von Vättis ins Calfeisental

Nach der Brücke verengt sich das Tal und man gelangt auf schönen Straßen zum Mapragsee. Auf dieser Passage gibt es einige Tunnel zu durchfahren. Durch die Nord-Südlage des Tals ist es hier nicht nur recht kühl, sondern es weht nahezu immer ein kräftiger Wind. Durch Wälder und entlang bunter Wiesen mit Bergblumen gelangt man rasch nach Vättis.

Hinauf nach St. Martin im Calfeisental

Von Vättis zweigt das Calfeistental ab und jetzt wird es steil. Auf den restlichen 5 Kilometern zum Gigerwaldstausee klettert man selten unter 10% hinauf zur Staumauer. Doch die Mühen werden belohnt: schon bald lichtet sich der Wald, man ist umringt von hohen Bergen und saftig grünen Wiesen, die vor allem im Bergfrühling Ende Mai prächtig blühen. Wenn man kurz innehält, um die schöne Aussicht zu geniessen, hört das Rauschen des Windes zwischen den schroffen Felsen. Ein schöner Moment. Nun sind es nur noch wenige hundert Meter zum Stausee. Oben an der mächtigen Staumauer angekommen bietet sich der Blick zurück in Richtung Taminatal. Von hier aus geht es nun flach durch dunkle Tunnel Richtung St. Martin. Aber Achtung, mit dem Auto darf man nur jeweils zur vollen Stunde und dann innerhalb von 20 Minuten Richtung St. Martin fahren, da der Tunnel nur einspurig ist. Der Gegenverkehr ist mitunter sehr rasch unterwegs, deswegen muss man auf jeden Fall Licht mitnehmen und vorsichtig fahren; oder sich an die Zeiten halten.

Wenn die Zeit stehen bleibt

In dem Moment, wo man aus dem letzten Tunnel fährt und sich rechter Hand der Blick auf die kleine Walser Siedlung öffnet, bleibt die Zeit stehen. Kleine, sehr gemütlich und einladend wirkende Hütten reihen sich entlang eines Kiesweges, in der Dorfmitte von St. Martin im Calfeisental steht eine kleine Kapelle. Das interessante: Die Besiedlung des Calfeisentals erfolgte von oben nach unten. Die ersten Menschen kamen damals über das Trinser Fürggli und die Sardonnahütte ins Tal. Das Dorf auf 1350 Höhenmetern war damals ganzjährig bewirtschaftet, aber schon 1652 verließen die letzten Calfeisentaler ihr Dörfchen Sankt Martin, 1637 wurde Peter Sutter als letzter Bewohner beerdigt. Die kleinen Häuser und die imposante Kirche sind sehr gut erhalten. An einigen der Häuser befindet sich ein kleiner Schlitz an der Hauswand, verstarb ein Bewohner eines Hauses, wurde dieser geöffnet, damit die Seele ungehindert entweichen kann. Ein schöner Brauch, von dem uns der Wirt erzählt hat. Heute beherbergt die Siedlung ein Hotel mit Restaurant und ist gerade an Wochenenden und Feiertagen sehr gut besucht. Im Restaurant kann man sich bei Kaffee & Kuchen oder auch einer herzhaften Mahlzeit von den Mühen der Bergfahrt stärken.

Und da es sich bei dieser Ode über eine Rennradtour nach St. Martin im Calfeisental um eine Sackgasse dreht, geht es auf gleichem Weg wieder zurück. In Vättis angekommen, kann man dann auf der anderen Seite des Taminatals zurückfahren und hat somit beide Seiten befahren.

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